Therapie nach Bobath

Zielgruppen

Patienten mit Hirnschäden und zentralen Lähmungen galten noch vor einigen Jahren als Pflegefälle. Durch gezielte therapeutische und pflegerische Maßnahmen können sie heute durchaus einer erfolgreichen Rehabilitation zugeführt werden. Typische Anwendungsbereiche des Bobath-Konzeptes sind alle Krankheitsbilder mit zentral bedingten Lähmungen, die mit Spastik einhergehen. Die Erkrankung, bei der das Bobath-Konzept am häufigsten angewandt wird, ist der apoplektische Insult bzw. der Schlaganfall (Hirninfarkt), der mit einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) einhergeht. Die Zahl der Patienten mit ischämischen (durch Minderdurchblutung bedingten) Insulten (Anfällen), die die akute Phase des Krankheitsgeschehens überleben, nimmt in den letzten Jahren erheblich zu. Die veränderte Gestaltung ganz normaler Krankenpflege nach dem Bobath-Konzept verbessert die weiteren Aussichten dieser Patienten im Hinblick auf Selbständigkeit und Unabhängigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL). Weitere Zielgruppen für die Anwendung des Bobath-Konzeptes sind Menschen mit Krankheitsbildern, wie z. B. Zuständen nach Hirnblutungen (Intracranielle Blutungen, ICB und Subarachnoidalblutungen, SAB), Schädel-Hirn-Traumen (SHT), Zuständen nach neurochirurgischen Operationen, Multiple Sklerose (Enzephalomyelitis disseminata, ED), entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), dem apallischen Durchgangssyndrom sowie allen anderen Erkrankungen des ZNS, die mit Spastik bzw. Lähmungen einhergehen.

Entwicklung

Das Bobath-Konzept hat seinen Namen nach seinen beiden im Jahr 1991 verstorbenen Urhebern, der Krankengymnastin Berta Bobath und dem Arzt Dr. Karel Bobath. Die Entwicklung des Bobath-Konzeptes begann etwa um 1943. Frau Bobath entdeckte bei der Behandlung schwer spastischer Patienten, dass die Spastik des Patienten durch bestimmte Lagerungen, Stellungen und Bewegungen nachließ oder sogar verschwand. Sie erkannte, dass Spastik nicht wie bisher allgemein angenommen eine feststehendes, konstantes Phänomen ist, sondern von der Stellung und der Bewegung des Körpers beeinflusst wird. Durch systematische Beobachtung vieler Patienten und Erprobung weiterer Behandlungstechniken entstand so das Bobath-Konzept als empirisches (auf Erfahrungen gestütztes) Behandlungskonzept. Die neurophysiologischen Grundlagen des Konzeptes wurden von dem Neurologen Dr. Karl Bobath, dem Ehemann von Berta Bobath, erarbeitet und das Konzept damit untermauert. Das Ehepaar Bobath bezeichnete die von ihnen entwickelte Arbeitsweise ausdrücklich als ein Konzept und nicht als eine Methode. Das Bobath-Konzept beinhaltet also keine vorgeschriebenen Pflegetechniken, Methoden oder Übungen, die mit allen Patienten in stets gleicher Weise zu absolvieren sind, sondern es berücksichtigt vielmehr die individuellen Möglichkeiten und Grenzen eines Patienten und bezieht diese unter Anwendung einiger Prinzipien in die Pflege und Therapie mit ein. Zunächst wurde das Bobath-Konzept überwiegend bei Kindern mit Zerebralparese eingesetzt. In den 60er Jahren wurde dieses Konzept auf die Therapie und Pflege erwachsener Patienten ausgedehnt. Heute stellt es das erfolgreichste und weltweit anerkannte ganzheitliche Behandlungs- und Pflegekonzept für Hemiplegiker und andere Hirngeschädigte dar.